SwimRun – 2017

Finale der ÖTILLÖ Swimrun World Series – Swimrunkrimi in Rheinsberg

 Rheinsberg, 1. Oktober 2017 – Halb neun, Nieselregen, Nebel, 13 Grad. Kein Problem für die 234 Athletinnen und Athleten, die bei der 41,3 km langen Strecke stets den Neoprenanzug trugen. Zum zweiten Mal fand in Rheinsberg (Mecklenburgische Seenplatte) am vergangenen Sonntag ein Rennen der ÖtillÖ Swimrun Serie statt. In elf Laufabschnitten waren zu bewältigen und in zehn Schwimmsektionen. „Bei der WM vor einem Monat war der Schwimmanteil viel geringer. Um vorne mitmischen zu können brauchen wir ein Rennen mit einem hohen Schwimmanteil, wie hier in Rheinsberg.“, erklärte Sebastian Bleitgen der zusammen mit Frank Mertins angereist war mit dem Ziel den Wettkampf zu gewinnen. „Mit einem Sieg könnten wir Swimrun-Geschichte schreiben. Wir wären das erste deutsche Team, das ein Rennen der ÖtillÖ Serie gewinnt.“, gab Mertins an. Aber die Konkurrenz unter den 120 startenden Zweierteams aus 27 Nationen war stark. Viele der Top Teams in der Swimrunszene folgten dem Ruf zum letzten großen Event des Jahres.
Im Gegensatz zu manch anderen Rennen im Jahr waren die Bedingungen perfekt. Gute Temperaturen (15°-17°) in und außerhalb des Wassers und technisch einfache Laufabschnitte versprachen ein schnellen Wettkampf. Gleich nach dem Startschuss an der Burg Wesenberg machten die Favoriten Tempo und liefen den ersten Kilometer in 3:30 min. an. Mertins und Bleitgen konnten und wollten diese Pace nicht mitgehen. Nach betrug der Rückstand auf die Spitze etwa eine Minute und die konnten die Odenwälder auf dem folgenden Schwimmabschnitt wieder gut machen und sogar als erstes das Wasser verlassen. Es folgte ein kurzer Lauf und wieder ein langes Schwimmen. Hier mussten die Michelstädter angreifen und das taten sie. Ihrem hohen Tempo konnte kein anderes Team folgen und so waren es nunmehr Bleitgen und Mertins, die eine Minute Vorsprung hatten. Zu diesem Zeitpunkt jagten fünf Teams das Führungsduo und diese konnten die Lücke auch schließen, jedoch setzten sich die Michelstädter Ausdauerathleten beim längsten Schwimmen des Tages abermals deutlich ab. Direkt daran schloss sich mit die längste Laufsektion an. „Hier mussten die laufstarken Teams kommen. Wir wussten, wenn wir bis zum Ende des langen Laufs den Anschluss zur Spitze nicht verlieren, dann haben wir eine echte Siegchance.“, fasste Mertins die Rennsituation zusammen.

Im Bild: Vorne Bleitgen, hinten Mertins in Führung liegend nach dem Schwimmen im Gobenowsee

Allerdings stand nur noch ein langes Schwimmen auf dem Plan, wie sich herausstellte zu wenig für die Odenwälder. Auf den letzten acht Laufkilometern konnten sie ihr Anfangstempo nicht mehr halten und drei Teams setzten sich deutlich ab, zu weit um die Zeit beim Schwimmen wieder gut zu machen. „Eigentlich war zu diesem Zeitpunkt klar, dass das Podium nicht mehr zu erreichen ist, aber nachdem Helfer an der Strecke uns informiert haben, dass wir dritte sind, schöpften wir wieder Hoffnung.“, kommentierte Bleitgen. Tatsächlich verpasste das Team Visible Ninjas eine Abzweigung und gab so den dritten Platz an die Odenwälder ab. Diesen konnten Mertins und Bleitgen dann ungefährdet, mit sieben Minuten Rückstand auf die Erstplatzierten, nach Hause laufen. Insgesamt hatten sie 7,5 km Schwimmpassagen in zehn Seen sowie 33,8 km Laufabschnitte absolviert. Die Wassertemperaturen betrugen dabei um die 14 Grad. Nach 4:27:02 Stunden überquerten Pontus Lindberg (SWE) und George Bjälkemo (SWE) schließlich als Erste die Ziellinie am Schloss von Rheinsberg in Brandenburg. Platz zwei ging an Nicolas Ramires (FRA) und Guillaume Heneman (FRA). Dritte wurden Sebastian Bleitgen (GER) und Frank Mertins (GER)

1000 Lakes in Rheinsberg war nicht nur der Abschluss der Saison 2017, sondern auch der Start in die Saison 2018. Die ersten drei Teams und somit auch die Michelstädter sicherten sich die ersten Startplätze für die WM 2018 im Stockholmer Schärengarten. Bleitgen resümierend: „Wir hatten eine tolle Form und ein klasse Rennen. Es hat nicht zum Sieg gereicht, aber wir haben uns nichts vorzuwerfen. Im Prinzip war es ein Maximaltemporennen über Viereinhalb Stunden und es gab nunmal bessere Teams.“

Der komplette Bericht: http://www.triathlon.de/finale-der-oetilloe-swimrun-world-series-83949.html


Odenwälder bei der Swimrun Legende in Schweden

Erster Montag im September auf der kleinen Insel Sandhamn im Schärengarten vor den Toren Stockholms. Um 6 Uhr morgens warten 300 Ausdauerathleten in Neoprenanzügen auf den Startschuss zur Swimrun-Weltmeisterschaft. Dann geht es los, die Sportlerkolonne drängt sich durch die schmalen Gassen des Ortes bevor es nach ca. 1 km auf einen Pfad in einem kleinen Waldstück geht. Wieder einen Kilometer später wartet mit 1,7 km der Längste der 25 Schwimmabschnitte auf die Swimrunner.

Links Mertins und rechts Bleitgen kurz vor dem Zieleinlauf (Photo by Pierre Mangez)

Etwa 15 Jahre ist es her, dass die Sportart „Swimrun“ geboren wurde. Damals entstanden aus einer Wette zwischen vier Schweden, die den Stockholmer Schärengarten ihre Heimat nennen. Die Herausforderung: Auf dem schnellsten Weg von der Insel Utö zur Insel Sandhamn. Knappe zwei Tage haben die beiden Zweierteams damals benötigt. Die Idee dieser Art des Ausdauersports begeisterte viele Schweden und so ist Swimrun dort mittlerweile ein Volkssport mit etlichen Wettkämpfen über das Land verteilt. Das Ursprungsrennen gilt mittlerweile als die Weltmeisterschaft der Sportart und natürlich ist es das Ziel der meisten Swimrunner mindestens einmal bei diesem Wettkampf dabei gewesen zu sein. Nicht-Schweden gelten weiterhin als Exoten bei den Wettkämpfen und dennoch konnte sich das Team swimrunART Odw. mit Sebastian Bleitgen und Frank Mertins aus Michelstadt bereits zum zweiten Mal für die Weltmeisterschaft qualifizieren.

Die gesamte Strecke umfasst  65 Lauf- und 10 Schwimmkilometer. „Bei einem Rennen dieser Dauer ist eine gute Renneinteilung das wichtigste.“, hält Bleitgen fest. Prognostiziert waren die widrigsten Bedingungen seit Jahren. Vor allem der starke Wind (bis zu 70 km/h ), der für hohe Wellen und somit schwierige Schwimmbedingungen sorgte, machte vielen Athleten sorgen. Die Odenwälder kommen damit jedoch gut zurecht, reihen sich unter die ersten zehn Teams ein und absolvieren den zweiten Laufabschnitt, der eher einem Balanceakt über regennasse Felsen gleicht, problemlos. Auf den nächsten kurzen Schwimmabschnitt folgt mit gut 4 km der erste längere Lauf, ein erster Anhaltspunkt, ob auch die Laufform bei den Michelstädtern passt. Nur zwei Teams müssen Bleitgen und Mertins passieren lassen. „Im letzten Jahr hatten wir die Zeiten, die zwischen den Verpflegungsstationen liegen, unterschätzt und so lief es mit zunehmender Distanz stetig schlechter. In diesem Jahr hatten wir einen Teil der Verpflegung selbst dabei und konnten uns dann ernähren, wenn es nötig war.“, gab Bleitgen an. Danch gestalten die Beiden das Rennen und kontrollien Tempo und Ernährung. „Wir wussten, dass wir deutlich besser als im Vorjahr platziert waren und rechneten auf den beiden ca. 8 km  Laufabschnitten damit von vielen Teams überholt zu werden, aber das geschah nur vereinzelt.“, erzählt Mertins.

Rennen über die Felsen. Im Hintergrund rechts: Bleitgen und Mertins (Photo by Jakob Edholm)

Die Beiden steuern nach auf den gefürchtetsten Schwimmabschnitt zu, den „Pig-Swim“, ein 1400 mSchwimmen, bei dem Wellen, Strömung und Temperatur (ca. 14 Grad )  stets extremer sind als auf dem Rest der Strecke. Viele Teams haben hier Orientierungsprobleme, weil die Wellen einfach zu groß sind. Mertins und Bleitgen steuern jedoch unbeirrt dem Ausstieg entgegen und machen wieder Plätze gut, auch die folgenden Abschnitte absolvieren die beiden gut. Nach etwa sieben Rennstunden erreichen die Ausdauerathleten die Insel Ornö, die größte Insel des Rennens. Hier sind 20 km laufend zu absolvieren. „Wir haben uns das Rennen so eingeteilt, dass wir die 20 km auf Ornö noch gut laufen können.“, gab Bleitgen an. „Die ersten Kilometer lief es nicht mehr bei mir und obwohl bei diesem Rennabschnitt das meiste schon hinter einem liegt, liegen auch noch 20 km vor einem und das kann lang werden. Nach der Verpflegungsstation auf Ornö ging es aber wieder und wir konnten erneut ein höheres Tempo als im Vorjahr anschlagen.“, resümierte Mertins. Bleitgen und Mertins verlassen Ornö und das Ziel ist schon zum greifen nah, das mobilisiert Kräfte. Die letzten Schwimmen sind von extrem starken Strömungen geprägt, aber auch hier reagieren die Odenwälder hervorragend und steuern die Schwimmziele gut an. Die letzten Kilometer auf der Insel Utö vergehen schnell und es stellt sich eine tiefe Zufriedenheit über das tolle Rennen ein. Mit dem Sieg haben die Michelstädter nichts zu tun, bereits nach 7 Std. 58 Min. erreichen die Gewinner das Ziel. Bei dann 9 Std. 24 Min. auch Bleitgen und Mertins. Die meisten Teams brauchen deutlich länger, bis zu 14 Stunden. Auch werden einige Teams aus dem Rennen genommen, die den Zieleinlauf während des Tages nicht mehr schaffen können, umso höher ist der 13. Platz einzuschätzen den Mertins und Bleitgen mit ihrem Rennen erreicht haben. „Das ist im Prinzip nicht unsere Strecke. Im Verhältnis wird recht wenig geschwommen und die Laufpassagen sind technisch sehr anspruchsvoll, ein klarer Vorteil für die, die dort regelmäßig trainieren können. Unser Ziel war es unser Rennen zu optimieren und die Zeit von knapp über 10 Stunden.“, fasste Mertins zusammen. Bleitgen ergänzte „Wir sind Superzufrieden und wissen gar nicht genau was wir nächstes Jahr noch besser machen können, immerhin sind wir auch noch das beste deutsche Team bei der WM, das ist schon was besonderes.“

Die Saison begann für die beiden Ausdauerathleten im April auf Hvar in Kroatien und sie ist noch nicht vorbei. Am 1. Oktober startet zum zweiten Mal der Swimrun in Rheinsberg, nördlich von Berlin. Letztes Jahr musste Mertins und Bleitgen hier aufgeben, dieses Jahr wollen sie vorne Mitmischen und die Saison erfolgreich beenden. Mertins und Bleitgen sind sich einig:„ 8 km Schwimmen, bei nur 33 km Laufen, das ist unser Wettkampf!“

(Bericht Frank Mertins)